Malaysia überholt Thailand – Umweltpass für nachhaltiges Bauen

Thailands Nachbarn sind dabei, Thailand grün zu überholen. Nach zaghaften Anfängen in Kambodscha mit seinen Luxusvillen mit Meeresschutz ist nun Malaysia dabei einen großen Schritt nach vorne zu machen. In meinen Augen einen weichenstellenden und entscheidenden Schritt. Malaysia hat seine tropische Variante eines “Vereins für nachhaltiges Bauen” gegründet, den “Green Building Index” oder GBI.

Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist sieht man daran das Malaysia nicht einfach die existierenden Programme aus Amerika, Großbritannien, Australien oder Deutschland übernommen hat, sondern die Bewertungskriterien die Gebäude speziell für tropisches Klima konzipiert hat. Außerdem wurde berücksichtigt dass der Entwicklungsstand in Malaysia nicht so hoch ist wie in anderen Gebieten mit ähnlichem Klima, zum Beispiel in Singapur.

Dieser “Green Building Index” wird der Bauindustrie und dem Umwelt- und Klimaschutz in Malaysia große Impulse geben. Ich rede seit Jahren mit allen, die es hören wollen, oder auch nicht hören wollen, darüber dass Thailand dringend einen eigenen “Verein für nachhaltiges Bauen” braucht. Es gibt auch bereits ein oder zwei Architekten in Thailand die die entsprechenden Zertifizierungen aus den USA haben und nach den dortigen Kriterien Gebäude zertifizieren können. Malaysia zeigt Thailand nun wie es gemacht werden kann.

Auszuege aus einem Bericht von Anna Westenberger im Asien Kurier 9/2009 vom 1. September 2009:

Malaysia – Umweltpass für nachhaltiges Bauen

In Malaysia können Neubauten eine Umweltzertifizierung erhalten. Der “Green Building Index” (GBI) bewertet Gebäude nach einer Reihe von Schlüsselkriterien und soll nachhaltiges Bauen fördern… Der Umweltpass soll Neubauten anhand von Kriterien, wie Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wohnqualität, bewerten. Der Index soll sowohl in der Bauwirtschaft als auch in der Öffentlichkeit ein stärkeres Bewusstsein für Umweltthemen schaffen und Richtlinien für “grünes” Bauen vorgeben. Das Land reiht sich damit in die Riege derjenigen ein, die bereits seit den 1990er Jahren ähnliche Einstufungssysteme aufgebaut haben, wie beispielsweise Großbritannien (BREEAM) und die USA (LEED).

Der GBI wurde von der lokalen Architektenvereinigung Pertubuhan Akitek Malaysia (PAM) und dem Ingenieurverband Association of Consulting Engineers Malaysia (ACEM) entwickelt, die zu diesem Zweck die gemeinsame Tochtergesellschaft Greenbuildingindex gegründet haben. In ihrem Vorhaben wurden sie von Seiten der Immobilien- und Bauwirtschaft sowie von der Regierung unterstützt.

Die Bewertung von Gebäuden wird nach einigen Schlüsselkriterien vorgenommen. Im Vordergrund steht die Energieeffizienz, aber auch der Einsparung von Wasser wird große Bedeutung beigemessen. Außerdem wird die Qualität der Innenräume betrachtet, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Schadstoffbelastung.

Die Bauweise und die Herstellung von Baumaterial sollten möglichst ressourcenschonend und umweltverträglich sein. Des Weiteren zählen Innovation sowie nachhaltige Planung und Verwaltung der Immobilie.

Tropisches Klima

Der GBI ist neben GREENMARK aus Singapur der einzige Index, der für tropisches Klima konzipiert wurde. Er ist zudem speziell auf Malaysia ausgerichtet und unterscheidet sich insofern vom GREENMARK-Index, der einen höheren Entwicklungsstand voraussetzt. Laut seinen Erfindern orientiert sich der GBI an internationalen Standards und Best Practices, passt sich dabei jedoch an die lokalen Verhältnisse und Möglichkeiten an.

Gebäudesektor steht für insgesamt rund 40 Prozent des weltweiten Energie- und 12 Prozent des Wasserverbrauchs

Laut World Green Building Council steht der Gebäudesektor für insgesamt rund 40 Prozent des weltweiten Energie- und 12 Prozent des Wasserverbrauchs. Auch in Malaysia ist der Handlungsbedarf groß, denn beim Bau der meisten Gebäude sowohl im Wohn- als auch im gewerblichen Bereich stehen kurzfristige Kostenaspekte im Vordergrund. Entsprechend wenig wird in energieeffiziente Technik und Materialien investiert. Viele Häuser haben eine schlechte Wärmeisolierung, und die Klimaanlagen verfügen meist nicht über eine Einzelraumregelung, sondern werden für ganze Etagen eingestellt. Entsprechende Sensortechnik, die eine maßvolle Kühlung gewährleisten könnte, ist ebenfalls kaum vorhanden. Die Nutzung des reichlichen Sonnenlichts durch thermische Solaranlagen für die Wassererwärmung oder durch Photovoltaikanlagen ist ebenfalls nicht verbreitet. Auch bei der Raumbeleuchtung könnte in den meisten Gebäuden der Stromverbrauch durch Energiesparlampen und eine automatische Steuerung deutlich gesenkt werden.

Zusätzliche Kosten nur 3 bis 15 Prozent

Die zusätzlichen Kosten, die durch die “grüne” Bauweise entstehen, schätzt Greenbuildingindex auf 3 bis 15 Prozent, abhängig vom angestrebten Zertifizierungsgrad. Die Initiatoren hoffen, dass die langfristig geringeren Betriebskosten, bessere Vermietbarkeit und Verkaufschancen sowie der Imagegewinn für große Firmen ausreichende Anreize darstellen. In Kuala Lumpur werden bereits einige Pilotprojekte nach GBI-Kriterien umgesetzt.

Ziel: Produktionsstandort für “grüne” Technologien

Premierminister Najib Razak hat Ende Juli 2009 ein regierungseigenes Programm zur Entwicklung umweltfreundlicher Technologien vorgestellt. Die “National Green Technology Policy” sieht den Aufbau einer lokalen “grünen” Industrie vor, die als Wachstumstreiber für die gesamte Wirtschaft dient und gleichzeitig als Garant für Nachhaltigkeit fungiert. Langfristig möchte Malaysia zu einem konkurrenzfähigen Produktionsstandort für “grüne” Technologien aufsteigen.

Soweit die Auszüge aus dem Bericht von Anna Westenberger im Asien Kurier.

Mein Wunsch an Thailand: Bitte runter von der Bremse und die Führung übernehmen!

5 Responses to Malaysia überholt Thailand – Umweltpass für nachhaltiges Bauen

  1. Trotz aller Korruption gibt es auch in Thailand Menschen die sich für die Umwelt, die Gesundheit der Menschen und die Zukunft einsetzen.

    Dies trifft zwar bei den ewig gestrigen, die nur an persönlicher Bereicherung interessiert sind, auf wenig Verständnis, aber die Akademiker in Bangkok und die junge Generation sind dafür offen. Das macht mir Hoffnung.

  2. Es gibt genug Firmen in Thailand, die zum grossen Teil von Firmen aus den Ländern, in denen es schon solche Green Building Councils gibt, finanziert werden, z.B. Großbritannien, U.S.A., Australien und Deutschland. Diese könnten locker so ein Thai Green Building Council gründen, wenn sie wollten.

    Aber wollen sie überhaupt?

  3. Genau, Carmen, die auslaendich (mit-)finanzierten Firmen in Thailand koennten so zeigen, dass es Ihnen nicht nur um die Ausbeutung der billigen Arbeitskraefte geht. Schoen Reden in der Heimat, und in Thailand nur Schmutz?

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