In Deutschland: Anhaltende Lobby-Kampagne gegen die Photovoltaik

Nicht nur in den U.S.A. wird mit unlauteren Mitteln gegen den Klimaschutz vorgegangen (wir berichteten von den Lügen und den gefälschten Briefen der Öl- und Kohlelobby), sondern auch in Deutschland wird mit unlauteren Mitteln eine Kampagne gegen die Solarenergie geführt. Die Chinesen, bei denen die Öl-und Atomstrom-Lobby nichts zu sagen hat, schert das wenig und sie bauen ihre erneuerbaren Energien mit Volldampf aus. Wolf von FabeckIn Deutschland jedoch lassen sich manche durch den Populismus der Photovoltaik-Gegner in die Irre führen.

Hier folgt ein Artikel, der zwar bereits im April 2008 von Wolf von Fabeck (Photo) geschrieben wurde, aber erstaunlich vorausschauend und vor allem sehr gut analysierend ist, obwohl damals noch nicht mal so sehr auf den Erneuerbaren Energien rumgeprügelt wurde. Doch damals schon herrschte offensichtlich von der Energieindustrie Angst um ihre Pfründe, und das hat der Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. sehr gut erkannt.

Kampagne gegen die Photovoltaik – Die Gelbe Gefahr (?)

(SFV, Wolf von Fabeck, Kampagne gegen die Photovoltaik, 31.3.2008) – Seit Monaten tobt eine Neid- und Verunglimpfungskampagne gegen die weitere Förderung von Solarstrom in den Medien.

  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 20.04.08, Sonnenenergie verbrennt Geld
  • €uro am Sonntag vom 04.05.2008, Die Solar-Lüge,
  • Focus 19.03.08, 100 Milliarden Euro verbrennen in der Sonne
  • Berliner Zeitung 18.03.08, Teurer Boom
  • Report Münschen 12.11.07 Subventionssumpf Solarstrom – Wie die Ökoindustrie das Geld der Verbraucher abzockt
  • SPIEGEL-ONLINE, 25.09.07, Ökostrom wird immer teurer – wegen Solarenergie
  • taz 14.06.07, Und wächst und wächst und wächst – Ex-Minister Trittin ist für die Senkung der Einspeisevergütung.
  • HANDELSBLATT, 24.04.07, Solarstrom – teuer und ineffizient
  • Wirtschaftswoche, 23.04.2008, Licht und Schatten bei Solarenergie
  • Wirtschaftswoche, 19.04.2008, Solarbranche: Doppelt so hohe Subventionen wie Steinkohle
  • Wirtschaftswoche, 18.04.2008, Der Ökosumpf
  • Wirtschaftswoche, 16.04.2008, Grüner Wahnsinn mit erneuerbaren Energien
  • brand eins 4/2008, Sonnenfinsternis
  • Rheinische Post, 06.05.2008, Alternativer Strom wird immer teurer

Die meisten dieser Beiträge berufen sich entweder auf das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), dessen Verbindungen zum RWE gut bekannt sind oder auf PHOTON-CONSULTING.

Leider bleibt dieses Dauerfeuer nicht ohne Wirkung: Selbst Bundestagsabgeordnete, die man zu den Freunden der Solarstromnutzung zählen konnte, übernehmen jetzt Argumente der PV-Gegner.

Wir müssen gegenhalten: Wer sich für den weiteren Ausbau der PV einsetzen will, sollte die Argumente der Gegner kennen:

Die Neidkampagne

Erst kam die Neidkampagne. Die Hersteller von Solarmodulen würden sich dumm und dämlich verdienen. Der Chef einer großen Solarfirma z.B. bewohne ein Schlösschen in der Nähe von Bonn, führe einen 300 PS-Maserati, und schenke neuen Mitarbeitern bisweilen schon einmal einen Goldbarren. So Report München.

Die Gelbe Gefahr

Jetzt beklagt sich SPIEGEL-ONLINE darüber, dass billige chinesische Solarmodule den deutschen Markt überschwemmen. Ist das nicht eher ein Grund zur Freude? Wenn tatsächlich die Gewinnspanne der Modulhersteller zu hoch wären, dann sollten wir doch glücklich sein, dass die billige Konkurrenz aus Fernost die deutschen Solarmodulpreise nach unten drückt. Ohne Konkurrenz, das lernt man schon in der Schule, würden die Preise außer Kontrolle geraten. Aber es geht in den beiden Beiträgen ja weder um den Lebensstil von Unternehmern noch um eine wirtschaftliche Bedrohung deutscher Solarmodulhersteller aus China. Es geht den Autoren vielmehr darum, den weiteren Ausbau der Solarenergie zu bremsen. Nur aus diesem Grund lässt sich das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsförderung (RWI) herab, die beiden Medienbeiträge durch einen „wissenschaftlichen“ Anstrich aufzuwerten. Und um ganz nebenbei seine alte Forderung, die Einspeisevergütungen zu senken, der Öffentlichkeit besser zu verkaufen.

Und welche Interessen stecken dahinter?

Man kann es fast erraten: Die personellen Verbindungen des RWI mit dem Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerk (RWE) sind ja nun kein Geheimnis. Dr. jur. Dietmar Kuhnt, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der RWE AG ist Präsident der Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI Essen. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI wiederum unterstützt das RWI finanziell. Und die Einstellung des RWE zum Erneuerbaren-Energien-Gesetz zeigt sich gerade eben wieder durch die (völlig unbegründbare) Drohung gegenüber den Erzeugern von Solarstrom, das RWE werde die gezahlten Einspeisevergütungen zurückfordern (siehe auch RWE-Drohung gegen Solarstromeinspeiser – SFV fordert Unterlassung ).

Die Entdeckung der sozialen Verpflichtung

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat sich die Umstellung der Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien unter Schonung der Umwelt und des sozialen Gefüges ausdrücklich ins Programm geschrieben, insofern freuen wir uns über jede Maßnahme, mit der die Belastung der Stromverbraucher gering gehalten wird. Wir finden es allerdings merkwürdig, wenn sich Institute, die noch nie Anstoß an den horrenden Gewinnen der Stromwirtschaft genommen haben und die sich allenfalls für Ausnahmeregelungen zugunsten der stromintensiven Industrien einsetzen, jetzt plötzlich die vermeintliche Mehrbelastung des privaten Stromkunden beklagen.

Besonders dümmlich ist das Argument, PV-Strom würde nur 5 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien bringen, aber 20 Prozent der Kosten verursachen. Dies einer Technik vorzuwerfen, die an der Stromversorgung erst 20 Jahre lang beteiligt ist und ihre Kosten laufend verringert, ist so unvernünftig, als würde man einem 14-Jährigen die Unterhaltszahlung kürzen, weil er noch keinen finanziellen Beitrag zum Familieneinkommen liefert.

Nun aber noch zwei erfreuliche Gesichtspunkte, die im SPIEGEL-Beitrag fehlten: Das Geld der deutschen Stromkunden wird nicht sinnlos nach China geleitet Wir leben in einer globalisierten Welt. Das Geld der deutschen Stromkunden fließt zu den Kohleminen und zu den Erdgaslieferanten der ganzen Welt. Wir haben uns daran gewöhnt. Nun aber nationalistische Ressentiments wachzurufen, weil ein verschwindend kleiner Teil der EEG-Umlage auch nach China fließt, ist geradezu absurd. Immerhin erhalten wir in diesem Fall ja eine industriepolitische Gegenleistung: Zukünftig werden auch chinesische Solarmodule in Deutschland Strom für deutsche Verbraucher erzeugen. So verringern diese Solarmodule noch unsere Importabhängigkeit. Außerdem verringert sich durch das „Untermischen“ von billigen chinesischen Solarmodulen der deutsche Solarmodul-Durchschnittspreis.

Klimaschutz entwickelt sich international

Der wichtigste Gesichtspunkt ganz zum Schluss: Weltweiter Klimaschutz braucht Solarmodule nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern der Welt. Die Tatsache, dass das Kohleland China selber Solarmodule herstellt, ist ein wichtiger Erfolg auf dem Weg zum weltweiten Umstieg auf Erneuerbare Energien. Wenn es um Fragen des globalen Klimaschutzes geht, sind nationale Egoismen nun wirklich zweitrangig. Die globale Energiewende braucht Solarmodulfabriken und Windanlagenfabriken auch in den Schwellenländern und natürlich auch in China!

9 Responses to In Deutschland: Anhaltende Lobby-Kampagne gegen die Photovoltaik

  1. Danke fuer den Link zum Solarenergie-Förderverein. Ich kannte ihn nicht, aber die Artikel dort sind Spitze! Dieser Wolf von Fabeck zeigt Engagement, alle Achtung!

    Es ist doch so offensichtlich, um so mehr Solarzellen China produziert, um so mehr versuchen sie diese Solarzellen zu verkaufen, und eben auch in China selbst. Also machen sie Werbung für erneuerbare Energien und Solarstrom, in China und überall. Das kann doch nur gut sein!!!

  2. Ja ja, die Geldgier treibt die Lobbyisten immer wieder zu Lug und Betrug, und sie versuchen uns zu manipulieren. Wolf von Fabeck sei gedankt für seine aufklärenden Worte.

  3. Nicht immer ist es so offensichtlich wie hier was gut und was böse ist.

    Ich kann ja noch nachvollziehen wenn manche Menschen gierig sind und andere übervorteilen, nur um sich zu bereichern.

    Aber wenn es an unsere Lebensgrundlagen geht, dann sollten die Gier-Getriebenen doch auch sehen dass wir nicht alles verkaufen können!

  4. Mein Kommentar zur Silizium-Technik (Zahlen 2006)

    Voraussichtlicher “Ertrag” über 20 Jahre
    Eingesetztes Kapital (Kosten der Anlage)
    30.000.– €
    Einspeisevergütung 6,50 kWp, 1000 kWh, Ertrag p.a. 6500 kWh, 0,5180 € je kW, €
    67.340.– €
    Summe der Vorteile bzw. Investitionen
    97.340.– €

    Voraussichtliche Verluste über 20 Jahre
    Photovoltaikanlage ist verbaut und veraltet
    30.000.– €
    Materialermüdung, 20% auf 20 Jahre gemittelt: 20% von 67.000 € (niedrig angesetzt)
    13.000.– €
    Instandhaltung, Versicherung, neue Wechselrichter ca.
    6.000.– €
    Entsorgungskosten der Anlage ca.
    2.000.– €
    Höhere Steuern ca.
    1.000.– €
    Zinsen an die Bank bei 3% für 30.000.– €
    18.000.– €
    Summe der Nachteile
    70.000.– €

    Aus dem investierten Kapital von 97.340.– € (incl. Einspeisevergütung) bleiben 27.340.– € an Gewinn übrig (Rendite nur ca. 4%). Gewinner sind auch Banken, die Zinsen einnehmen.

    Photovoltaik spart kein Klimagas ein

    Photovoltaik spart kein Klimagas ein! In Verbindung mit den CO2-Zertifikaten werden zwar in Deutschland CO2 –Emissionen eingespart, doch die Energiekonzerne verkaufen die Verschmutzungsrechte z.B. nach Osteuropa, weswegen diese umso mehr schmutzige Energie produzieren dürfen und das auch tun.
    Selbst Verfechter der Photovoltaik können nicht anzweifeln, dass die Abgase aus Kohlekraftwerken in Polen ebenso klimaschädlich sind wie deutsche Abgase.

    Photovoltaik verhindert eine ökologische Energieversorgung

    Alle Stromkunden zahlen an wenige Photovoltaikbesitzer Subventionen, die viel ökologischer und billiger zum Beispiel in Blockheizkraftwerke investiert werden könnten. Geld fehlt für wirklich ökologische und zukunftsträchtige Techniken; eine volkswirtschaftliche Geldvernichtung größten Ausmaßes!

    Das Beispiel Schönau

    Schönauer Bürger haben ein eigenes Elektrizitätsunternehmen gegründet – die ARD brachte darüber am 18.11.2009 einen Filmbericht – um gegen die RWE anzukämpfen. Ihr Projekt finanzieren sie mit dem EEG, ein System der Umverteilung von Geldern aller Stromkunden an die Photovoltaik-Abzocker. Diese Bürger glauben auch, dass das Geld von der Stromfee kommt.
    Ein verlogenes Projekt dummer Bürger, die es Bankmanagern, der Atomlobby und deren Bütteln der hohen Politik nachmachen.

    Das dicke Ende kommt bestimmt

    Ich bin gespannt, wie die Geldabschneider reagieren, wenn in spätestens 5 Jahren ihre Silizium-Photovoltaikanalagen veraltet sind und ihre Nachbarn die neuen Techniken einsetzen!

  5. Robert, Du meinst also wirklich, dass wenn Du weiterhin schmutzige Energie produzierst und klimaschädliche Gase in die Atmosphäre jagst, dass dann die Polen dies nicht tun???

  6. @Robert

    Deine Rechnung ist so nicht korrekt. Du unterstellst dass die Anlage nach 20 Jahren kaputt ist und entsorgt werden muss. Das ist Bloedsinn. Eine Photovoltaik-Anlage funktioniert viel laenger, vielleicht mit geringfuegig weniger Leistung, aber trotzdem.

    Rechne doch mal den kostenlosen Strom ein, der erzeugt wird wenn die Anlage 25 Jahre haelt, oder 30, oder 40, oder 50 Jahre!

    Die Anlage ist ja bis dahin schon lange voll bezahlt, also ist das alles Gewinn und Rendite.

    Gewinn fuer den Geldbeutel, und fuer’s Klima!

  7. Komische Rechnung von Robert, sehr komisch, so ist das nicht richtig und irreführend.

    Was sollen die Auffuehrung von “Photovoltaikanlage ist verbaut …” und “Materialermüdung”, das ist doch nichts als die Abschreibung der Photovoltaik-Anlage doppelt eingerechnet.

    Und dann behaupten es wurden 97.340.– investiert, das ist doch Betrug. Nichts wurde inverstiert, kein Eigenkapital eingesetzt, das Projekt ist ja 100% fremdfinanziert, siehe Posten “Zinsen an die Bank bei 3% für 30.000.–”.

    Also selbst bei diesen getürkten Zahlen mit der doppelten Abschreibung wären das bei diesem Photovoltaik Projekt in Wirklichkeit 27.340.– Gewinn ohne Eigenkapitaleinsatz, rechne doch mal diese Eigenkapitalrendite aus!!!!!!!!!

    Robert, was soll das, willst Du uns verar…en????

    Und obendrein produziert die Photovoltaik Anlage die ganze Zeit saubere Energie.

  8. Und sowieso, wenn ich hier in Thailand eine Photovoltaik Anlage installiere dann weil der Strom aus der Sonne SAUBER ist und mich unabhängig macht von irgendwelchen (hier leider recht häufigen) Stromausfällen. Das hat doch mit den Kohlekraftwerken in Polen oder sonstwo nichts zu tun.

    Es tut mir leid Robert aber ich kann mein Gewissen nicht mit solchen Ausreden beruhigen. Photovoltaik hat in den letzten Monaten so einen Preis-Sprung nach unten gemacht dass es jetzt für viele erschwinglich ist, auch ohne EEG, auch nur für den Eigenbedarf.

    Und 25 Jahre kostenloser Strom aus der Sonne, das lohnt sich überall, auch in Thailand.

  9. Wenn man so liest, bekommt man auf jeden Fall den Eindruck, dass nur Photovoltaik richtig ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>